Elmshorns Schulen auf dem Weg zur offenen Ganztagsschule

In der vergangenen Woche gab es in Elmshorn eine intensive Debatte zur zukünftigen Betreuung unserer Kinder in der offenen Ganztagsschule. Die Stadt als Schulträger ist für die Betreuung an allen Elmshorner Grundschulen verantwortlich und möchte die Organisation, laut einstimmigen Beschluss durch die Politik, extern vergeben. Die dafür anstehende Ausschreibung ist laut Vergaberecht erforderlich. Dabei ist in der politischen Entscheidung noch offen, ob ein übergeordneter Träger für alle Schulen gesucht oder für jede Schule die Trägerschaft einzeln ausgeschrieben wird. Denkbar ist auch eine Splittung, z. B. Zwei und Vier Schulen jeweils ein Träger. Wir haben die teils erhitzte Debatte im Ausschuss Kinder, Jugend und Schule zum Anlass genommen unsere Entscheidung noch einmal in unserer Fraktion zu beraten.

Auf unserer Fraktionssitzung vom vergangenen Dienstag haben wir uns erneut sehr ausgiebig mit dieser Thematik auseinandergesetzt – schließlich geht es ja um die gute Betreuung der Elmshorner Schulkinder. Wir sind dabei zur Entscheidung gekommen, dass die Vergabe an einen Träger für alle Schulen besser ist. Wir nehmen jedoch die Sorgen einiger Eltern ernst und wollen uns im nächsten Schritt sehr intensiv mit den Ausschreibungsinhalten auseinandersetzen. Dazu zählt für uns ein regelmäßig statt findendes Qualitätscontrolling, bei dem der Träger und die Schule die Elternzufriedenheit mit dem Angebot aktiv anfragt und die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht.

Warum ein Träger?

Die Schulen wandeln sich in den kommenden Jahren zur offenen Ganztagsschule. Dafür wurden unter fachlicher Begleitung seit 2013 in mehreren groß angelegten Workshops pädagogische Konzepte und organisatorische Fragen diskutiert bis 2018 aus diesem Kreis heraus eine Projektgruppe aus Schulleitungen und ElternvertreterInnen aller Schulen sowie der Stadt als Schulträger beauftragt wurde, den Übergang zur offenen Ganztagsschule und die zukünftige Betreuung an den Grundschulen konkret vorzubereiten.

Als Ergebnis dieser Projektgruppe ist der Vorschlag zu sehen, in einer Ausschreibung einen übergeordneten externen Träger zu suchen, unter dessen Dach Kooperationen mit verschiedenen auch bereits aktiven Trägern ausdrücklich erwünscht ist. Der Träger wird auch die Koordination beim Übergang zum offenen Ganztag sicher stellen.

Im gleichen Zug werden in den Kindergärten die Hortplätze zugunsten von weiteren Krippenplätzen abgebaut und in die Betreuung an den Schulen überführt.

Der Umfang der Betreuungsangebote wird durch die oben genannten Gründe deutlich zunehmen.

Wir wollen hierbei ein sicheres, gerechtes, zuverlässiges und familienfreundliches Angebot etablieren.

  1. Wir schaffen einheitliche Qualitätsstandards bei der Betreuung der Kinder in allen Schulen. Egal auf welche Schule eure Kinder gehen, ihr könnt sicher sein, dass eine verlässliche Kinderbetreuung am Nachmittag vorhanden ist. Die Kriterien für diese Betreuung werden in der anstehenden Ausschreibung durch die Stadt Elmshorn definiert. Nach Möglichkeit wollen wir erfolgreiche Konzepte auf alle Schulen übertragen. Wichtig ist uns, dass der Standard der Schulbetreuung an allen staatlichen Schulen gleich ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Angebote an allen Schulen inhaltlich gleich sind. Jede Schule definiert durch die Schulkonferenz eigene Schwerpunkte.
  2. Ein sicheres Angebot bedeutet auch, dass eure Kinder im Falle von Krankheiten weiterhin betreut werden. Ein großer Träger für alle Schulen kann durch Springerkräfte flexibel agieren. Hätten wir an jeder Schule einen anderen Träger, dann wäre es deutlich schwieriger, eine verlässliche Betreuung auch im Krankheitsfall sicher zu stellen. Das bedeutet nicht, dass die Kinder durch ständig wechselndes Personal betreut werden.
  3. Die Betreuung an kleinen Schulen ist nicht so leicht wirtschaftlich zu gestalten. Bei der Vergabe an einzelne Schulen kann es passieren, dass für die Betreuung unter Umständen kein Anbieter gefunden wird. Bei der Vergabe an einen großen Träger kann wirtschaftlicher geplant und gehandelt werden. Dies führt dazu, dass die Kosten für die Nachmittagsbetreuung günstiger ausfallen werden.
  4. Die Abstimmung mit den Kooperationspartnern (z. B. Sportvereinen) ist einfacher. Deren Angebote sind fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts. Die Inhalte der Kooperation wird vor Ort durch die Schulkonferenzen festgelegt. Die Organisation übernimmt der Träger für die Betreuung. Bei der Vergabe an einen einzigen Träger ist eine direkte Abstimmung mit Vereinen und Organisation für alle Schulen möglich.
  5. Nachbesserungen im Betreuungsangebot nach der Vergabe sind für die Stadt besser zu organisieren. Die Stadt als Schulträger hat nur einen Ansprechpartner, wenn es nach der Vergabe der Trägerschaft nicht rund laufen sollte. Bei der Vergabe an mehrere Träger müsste die Stadt mit mehreren Trägern gleichzeitig nachjustieren.

An vier Schulen arbeitet die Stadt Elmshorn bereits mit einem gemeinsamen Träger bei der Kinderbetreuung. Bislang fielen die Rückmeldungen beim vorhandenen Angebot sehr positiv aus. Einzelne Ausschreibungen pro Schule wären hier ein Rückschritt. Diese sind von den beteiligten Schulen aufgrund der positiven Erfahrungen nicht gewollt. Im übrigen haben sich die Schulleitungen aller Grundschulen sowie der Schulrat eindeutig für die Vergabe an einen Träger ausgesprochen.

Worauf ist jetzt zu achten?

Viele Fakten sprechen für die Vergabe der Betreuung an einen Träger. Dies hat jedoch auch Nachteile. Es gibt weniger Wettbewerb, und was ist eigentlich, wenn der Träger, der die Ausschreibung gewinnt, im schlimmsten Fall nicht einhält?

Der Inhalt der Ausschreibung ist entscheidend. Dieser soll im März verabschiedet werden. Es bleibt daher noch Zeit, sich mit den Inhalten der Ausschreibung im Leistungskatalog auseinanderzusetzen. Die Fraktion der Grünen in Elmshorn wird daher die Verwaltung bitten, die Inhalte der Ausschreibung mit den Parteien in einem Workshop intensiv zu besprechen. Ähnliche Workshops, z. B. beim Medienentwicklungsplan, führten zu einem positiven Ergebnis.

Uns ist unter anderem dabei wichtig:

  • dass Schulvereine als Kooperationspartner des Trägers eingebunden werden und bestehende Strukturen möglichst erhalten bleiben können. Je mehr Eltern sich aktiv beteiligen, desto lebendiger ist das Angebot. Die Elternbeteiligung unterstützen wir ausdrücklich.
  • dass das bisherige Personal weiterhin vom zukünftigen Träger nach den Regeln unserer Fair-Trade-Town Elmshorn beschäftigt wird. Die Löhne sollten dabei gleich bleiben, bzw. bei einer für die Beschäftigten besseren Regelung vom neuen Arbeitgeber übernommen werden. Dabei ist vom Träger in jedem Fall sicherzustellen, dass mindestens nach Tarif gezahlt wird.
  • Die Fachquote des Personals muss möglichst hoch sein, aber im finanziell möglichen Rahmen für die Stadt realisierbar sein.
  • Der Träger und die Schulen sollen eigenständig eine Evaluierung durch Befragung der Eltern zur Zufriedenheit mit der Betreuung durchführen. Die Ergebnisse sind zu veröffentlichen.
  • Die Stadt benötigt in der Ausschreibung Instrumente, um im Verfahren einzelne Ansprüche nachzujustieren. Vertraglich sollte zudem vereinbart werden, dass bei einer Nichteinhaltung der Vereinbarungen nachgebessert werden muss – bzw. im schlimmsten Fall Strafzahlungen vom Träger zu leisten sind oder die Vergabe an einen anderen Träger möglich ist.

Wenn ihr Gesprächsbedarf zu diesem Thema habt, meldet euch gern bei uns: info@gruene-elmshorn.de

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