Als Fair-Trade-Stadt ein gutes Beispiel geben

Fairtrade-towns_logo_WEBFairer Handel steht für soziale und ökologische Verantwortung weltweit. Wenn wir Menschen in einer globalisierten Welt ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen wollen ist wichtig, dass der faire Handel immer mehr an Bedeutung gewinnt. Fairer Handel – faire Arbeitsbedingungen – fairer Arbeitslohn – Dafür lohnt es sich zu engagieren.

Gute Taten brauchen dabei wie immer Vorbilder: In Elmshorn sind die Voraussetzungen hierfür hervorragend. Die Stadt hat schon vielfach Verantwortung bewiesen: mit dem Beschluss zum Verzicht auf Tropenholz, der Einrichtung des Klimaschutzfonds, der Verwendung umweltfreundlicher Büromaterialien, dem Beschluss für eine kommunale Agenda 21 und verschiedener Unterstützungsmaßnahmen für den Fairen Handel. U. a. wurde zeitweilig innerhalb der Verwaltung bereits fair gehandelter Kaffee verwendet, aktuell soll dieses wieder erfolgen.

Seit dem Jahr 2000 können sich Städte um die Anerkennung zu einer Fair-Trade Stadt bewerben. Ausgehend von Großbritannien bemühen sich inzwischen Städte in 24 Ländern weltweit um den Status „Fair-Trade-Town“. Über 1.200 Fair-Trade-Towns gibt es mittlerweile weltweit (Stand Okt. 2013). Im November 2011 erhielt die Hansestadt Lübeck als erste Stadt in Schleswig-Holstein die Urkunde überreicht. Ende 2012 folgten Eckernförde und die Gemeinde Neudorf-Bornstein, welche die Kriterien erfüllten. In weiteren Städten wurde der Beschluss der Stadt gefasst, ebenfalls den Titel „Fair-Trade Town“ anzustreben – u.a. in Kiel, Norderstedt, Kaltenkirchen, Eutin und Heide.

Fünf Kriterien müssen Städte für eine Anerkennung erfüllen. Dabei sind die Anforderungen nicht allzu hoch gesteckt und der eine oder andere mag davon enttäuscht sein. Doch auch ein langer Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt. Als Fair-Trade-Town hätte Elmshorn folgende Kriterien zu erfüllen:

  1. Ist von den politischen Gremien ein Beschluss zu fassen, in öffentlichen Sitzungen Fair-Trade-Produkte zu verwenden
  2. Bildung einer Steuerungsgruppe – aus VertreterInnen der Städtischen Verwaltung, je ein Vertreter aus den Fraktionen, des Einzelhandels und Vertreter anderer Interessensverbände. wünschenswert sind zudem Vertreter aus Kirchen, Schulen und Vereine sowie Medien. Insgesamt sollten der Steuerungsgruppe mindestens 3 VertreterInnen angehören (aus Verwaltung, Handel und Eine-Welt-Bereich); erwünscht sind mehr. Teilnehmen könnten Mitwirkende von der Initiative „Elmshorn handelt – natürlich Öko-Fair“.
  3. Verfügbarkeit von Fair-Trade-Produkten im Einzelhandel und in der Gastronomie (dies ist natürlich abhängig von der Größe der jeweiligen Stadt): In Elmshorn müssen mind. 10 Geschäfte und 5 Gastronomiebetriebe Fair-Trade-Produkte verkaufen bzw. anbieten. (Was Einzelhandelsgeschäfte betrifft, so gibt es nach erster, überschlägiger Zählung schon mind. 15 Geschäfte, im Gastronomiebereich bislang mind. 3).
  4. Verwendung von Fair-Trade-Produkten in öffentlichen Einrichtungen: In Elmshorn muss jeweils eine Schule, ein Verein und eine Kirche gewonnen werden. (Für alle drei Bereiche gibt es schon Beispiele). Mensen in den Schulen.
  5. Berichterstattung der lokalen Medien.

Details sind unter www.fairtrade-towns.de/kriterien/ zu finden.

Der SCHLESWIG-HOLSTEINISCHE LANDTAG wird demnächst den Gesetzentwurf über die Sicherung von Tariftreue und Sozialstandards sowie fairen Wettbewerb bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (Tariftreue- und Vergabegesetz Schleswig-Holstein – TTG) der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Abgeordneten des SSW beschließen. Die Regierung folgt damit dem Beschluss des Wirtschaftsausschusses. ( Drucksache18/720 18. Wahlperiode, im Internet auf der Landtagsseite unter Dokumentationen zu finden). CDU, FDP und PIRATEN sind dagegen.

Es waren oft die Grünen, die in den oben genannten Städten und Gemeinden eine erfolgreiche Bewerbung zur Fair-Trade-Stadt initiierten. So haben auch die Grünen in Elmshorn das Aktionsbündnis zusammen mit dem TOP21 ins Leben gerufen. Dort sind inzwischen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen wie Kirche, Gewerkschaft oder BUND beteiligt.

Mit einer Bewerbung zur Fair-Trade Stadt kann Elmshorn seiner sozialen und ökologischen Verantwortung Ausdruck verleihen und durch Vorbildfunktion mithelfen, den fairen Handel noch bekannter zu machen. Ziel ist es, in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Die Grünen Elmshorn werden auf der nächsten Sitzung des Hauptausschusses ihren Antrag einbringen. Sie finden den Antrag unter dem gleichnamigen Link auf dieser Seite.

Die ILO-Erklärung über grundlegende Rechte bei der Arbeit

Die ILO-Kernarbeitsnormen haben im Juni 1998 eine besondere politische Aufwertung erfahren, als die „Erklärung über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit – „(pdf, 36 kb) auf der 86. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz ohne Gegenstimme angenommen wurde. Damit bekennen sich alle Mitgliedstaaten der Organisation ausdrücklich zu den Kernarbeitsnormen. Die Erklärung beginnt mit einer eindeutigen Positionsbestimmung. Sie betont,

 (…) dass die Gründung der ILO in der Überzeugung erfolgte, dass soziale Gerechtigkeit eine wesentliche Voraussetzung für einen dauerhaften Weltfrieden ist; dass wirtschaftliches Wachstum wesentlich ist, aber nicht ausreicht, um Gerechtigkeit, sozialen Fortschritt und die Beseitigung von Armut zu gewährleisten; dass die ILO dafür sorgen muss, dass im Rahmen einer globalen Strategie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung sich die Wirtschafts- und Sozialpolitiken gegenseitig verstärken, damit eine breit angelegte dauerhafte Entwicklung geschaffen wird.“

Die Erklärung ist eine Konsequenz daraus, dass die internationale Gemeinschaft auf dem Weltsozialgipfel in Kopenhagen 1995 universelle soziale Regeln zur Begleitung der Globalisierung einforderte. Die ILO leitete daraufhin zunächst eine intensive Kampagne ein, um die Zahl der Ratifikationen der Kernarbeitnormen zu erhöhen. Zwar konnte sich das Ergebnis durchaus sehen lassen, gleichwohl gab es weiterhin eine große Zahl von Mitgliedstaaten, die weit von der Ratifizierung der Kernarbeitsnormen entfernt waren. Aus dieser Situation heraus entstand dann wenige Jahre später die Überlegung, den Prozess mit der feierlichen Erklärung über die grundlegenden Rechte bei der Arbeit verstärkt voranzutreiben.

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