Wir stehen für die Planung moderner Mobilität

Am vergangenen Mittwoch haben wir in den Elmshorner Nachrichten gelesen: „Die CDU knöpft sich die Grünen vor“. Es ging dabei um die aktuellen Probleme mit stetig steigendem Autoverkehr in unserer Stadt. Die CDU-Fraktion hat es genau richtig formuliert: „Das Verkehrskonzept ist mittlerweile über 50 Jahre alt und längst überholt.“ – genauso sehen wir es auch – und deswegen liebe CDU wundert es uns, dass in der Verwaltung der Stadt weiterhin nach diesen Prinzipien geplant wird.

Mobilität der Zukunft

Das Zukunftsinstitut beschreibt es so: „Die Welt im 21. Jahrhundert ist vor allem durch eine zunehmende Vielfalt an Mobilitätsformen gekennzeichnet.“ – weiter heißt es, dass wir unmittelbar vor einer Zäsur stehen, diese ist vergleichbar, wie nach der Erfindung des Autos vor 125 Jahren. Auch wenn das Auto noch eine Weile die erste Wahl für viele Menschen bleiben wird, wurde festgestellt, dass ein Wandel statt findet. Es kommt dabei nicht mehr auf Geschwindigkeit an, sondern vielmehr auf die zusammenhängende Zeitspanne, die man benötigt ein Ziel zu erreichen. Im Resumé wird dann festgestellt: „Wird heute noch rund die Hälfte aller Wege hauptsächlich mit dem Auto, 30 Prozent mit Bussen und Bahnen zurückgelegt, aber nur jeweils 10 Prozent mit dem Rad und zu Fuß, wird sich das Verhältnis nach Prognosen von Andreas Knie, Leiter des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, bis 2030 ausgeglichen haben. Das erfordert einerseits eine Neugestaltung von Mobilitätsangeboten, es erzeugt andererseits aber auch enorme Potenziale für die zukunftsweisende Weiterentwicklung von Verkehrskonzepten.“

Widersprüche der aktuellen Planung

Bezogen auf Elmshorn stellen wir Widersprüche fest. In einigen Straßen in unserer Stadt ist das Limit bereits erreicht. Sie sind das Ergebnis der von der CDU angesprochenen Konzeption aus dem Jahr 1968. Schauen wir auf das aktuelle Beispiel der Berliner Straße – hier fordert die CDU, dass eine schnelle Entscheidung für die Gestaltung der Straße vorzunehmen ist. Und genau da entsteht jetzt der Widerspruch. Wenn es eurer Fraktion um ein zukunftsfähiges Konzept gehen würde, dann würdet ihr die von der Verwaltung skizzierte Monster-Kreuzung an der Badewanne nicht einfach so durchwinken. Es besteht ja auch keine Eile in dieser Fragestellung, denn die Verlegung der Schauenburgerstraße, die Umgestaltung des Buttermarktes, der Bau des Rathauses sind doch erst einmal genug Aufgaben für die Mitarbeiter im Gebäude- und Flächenmanagement. Es besteht also keine Eile jetzt eine Entscheidung für die Fortführung eines alten Konzeptes zu treffen. Liebe CDU – bei aller Kritik, auch dafür, dass wir uns für die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen, wie sieht den eurer Plan für die Mobilität der Zukunft aus?

Der Weg zu moderner Mobilität in mehreren Schritten

Unserer Fraktion fordert seit langem, dass ein neues und modernes Mobilitätskonzept entwickelt wird. Deswegen sind wir auch froh, dass mit dem aktuellen Haushalt genau hierfür eine Stelle im Rathaus geschaffen wurde. Die Entwicklung des Konzeptes wird ca. 2-3 Jahre in Anspruch nehmen. Die daraus resultierenden Maßnahmen können sich dann zugleich über einen Zeitraum von 20 Jahren erstrecken. Deswegen denken wir, dass wir die aktuellen Verkehrsprobleme in der Stadt nur durch ein mehrstufiges Vorgehen lösen werden. Dies erfordert Entschlossenheit. Wir wissen, dass sich Mobilität in diesem Jahrzehnt verändern wird – und wir entscheiden jetzt für zukünftige Generationen. Insofern ist es unsere Pflicht den oben beschriebenen Wandel bei den jetzt anstehenden Entscheidungen zu berücksichtigen.

ÖPNV und Radverkehr stärken

Papierkörbe für Radfahrer sind fester Bestandteil der Infrastruktur in Kopenhagen

Das bedeutet, dass wir kurzfristig den ÖPNV und den Radverkehr in unserer Stadt schnell und zügig ausbauen müssen. Ergänzend zu den Routen des Veloroutenkonzeptes ist dabei auch die Realisierung eines Radschnellwegenetz in Nord-Süd-Richtung entlang der Bahn und in Ost-West-Richtung entlang der Krückau erforderlich. Wir brauchen an zentralen Einrichtungen sichere und komfortable Stellplatzanlagen, die sicher sind und wir brauchen eine gute Streckenführung für die Radfahrer mit ausreichend Raum, damit auch Pedelecs und schnellere Räder ausreichend Platz haben. Wenn uns das gelingt zugleich die Umlandgemeinden an dieses gute und schnelle Radnetz anzubinden, wird der Radverkehr in unserer Stadt weiter zunehmen. Übrigens, es gibt Fördertöpfe für den Ausbau und das Land und der Bund warten darauf, dass diese Mittel endlich auch in Anspruch genommen wird.

Bislang wurden nur wenige Fördermittel abgerufen

Kommen wir zum ÖPNV. Der Express-S-Bahn-Anschluss darf keine Geheimakte mehr sein. Gerade der erste Vertreter unserer Stadt, Bürgermeister Volker Hatje, ist in der Pflicht einen zügigen Express-S-Bahn-Anschluss lautstark einzufordern. Wir favorisieren dabei einen 10-Minuten-Takt ab Elmshorn in den Hauptverkehrszeiten. Express-S-Bahn bedeutet, dass die Bahn ab Pinneberg bis Altona bzw. Dammtor durchfährt. Die Bahn kann abwechselnd durch den City-Tunnel oder über Dammtor fahren. So können viele Pendler auch Umsteigefrei ihr Ziel in Hamburg erreichen. Wenn wir davon ausgehen, dass Elmshorn 3 S-Bahn-Stationen bekäme – dann würden bereits in den Hauptverkehrsstunden viele Autofahrten zum Bahnhof entfallen. Zugleich könnte der Stadtbusverkehr durch den festen Takt viel besser auf die Züge abgestimmt werden.

Der Busverkehr ist bzgl. des Taktes weiter auszubauen und die Preise innerhalb des Stadtbusverkehrs sollten möglichst günstig gestaltet werden. Wir begrüßen daher auch das kostenlose Ticket für Schüler. Um es an Samstagen attraktiv zu machen in die Stadt zu fahren, könnte man auch über ein kostenloses Busticket am Samstag nachdenken.

Bushaltestelle im Zentrum von Coburg

Maßnahmen nützen auch den Autofahrern

Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die oben beschriebenen Maßnahmen auch dem Autoverkehr dienen. Denn wenn insgesamt weniger Verkehr auf der Straße ist, läuft dieser auch flüssiger. Und uns ist auch wichtig, dass auch Autofahrer das Quartiersparkhaus am Rande der Innenstadt gut erreichen. Hier wünschen wir deswegen ein Parkraumleitsystem und auch einen Linksabbieger. Übrigens ab dem Moment, wo das Auto im Parkhaus steht, wird auch der Autofahrer zum Fußgänger.

Was mittel- und langfristig darüber hinaus erreicht werden kann, dass wird dann Bestandteil des umfassenden Mobilitätskonzept für unsere Stadt. Uns ist dabei wichtig, dass dort nachhaltige Aspekte genauso wie die Herausforderung mit dem Klimawandel umzugehen dort einfließen.

Mehr Platz für Fußgänger

Gerade im Bereich der Innenstadt benötigen wir mehr Raum für Fußgänger. Breite Gehwege und verkehrsberuhigte Straßen schaffen den erforderlichen Raum. Sie sind zugleich Garant für die gewünschte Aufenthaltsqualtität in einer Stadt der kurzen Wege. Bei der Gestaltung ist auch darauf zu achten, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen mit bedacht werden.

Andere Städte haben bereits Mut bewiesen und zeigen, dass dieses Umdenken zum Erfolg führt. Wir wollen diese jetzt abschließend exemplarisch benennen.

Beispiel Nijmegen (Nimwegen) in den Niederlanden

Nimwegen wurde 2016 fahrradfreundlichste Stadt in den Niederlanden. Dazu ein paar Kennzahlen:

  • In der Gesamtstadt wurden im Jahr 2005 37 % aller Wege bis 7,5 km mit dem Fahrrad zurückgelegt (Pkw-Selbstfahrer 24 %, 6 % Beifahrer)
  • 64 % aller Pendlerfahrten bis 7,5 km erfolgen mit dem Fahrrad (2013; Pkw: 22 %)
  • 65 % aller Wege in die Innenstadt werden mit dem Fahrrad zurückgelegt (2015)
  • Das Fahrrad erhöht seinen Anteil am Gesamtverkehr vor allem auf “Kosten” des motorisierten Verkehrs. So sank der Anteil des Pkw im Berufsverkehr (Wege bis 7,5 km) von 34 % im Jahr 2005 auf 22 % im Jahr 2013.

Der Anstieg lässt sich auf den Konsequenten Ausbau in die Radfahrinfrastruktur zurückführen. Dabei ist ein engmaschiges Netz an Velorouten und Radfahrstraßen entstanden. In Nimwegen ist zudem die Innenstadt autofrei.

Beispiel Mohnheim in NRW

Mohnheim hat in der Vergangenheit konsequent auf den Ausbau des Busverkehrs gesetzt. Dieser wird hier vielfach von den Pendlern genutzt, die den S-Bahn-Anschluss im Nachbarort erreichen wollen. Ergänzt wurde das Angebot mittlerweile durch die Schaffung eines komplett kostenfreien Nahverkehrs.

Quellen

Titelbild unter CC-Lizenz, Contributions to https://www.flickr.com/photos/16nine/

2 Kommentare

  1. Holger Fege

    Moin zusammen, als ehemaliger Monheimer möchte ich einige Anmerkungen machen: Monheim hat sich in den 70-er Jahre aus einer bäuerlichen Kleinstadt zu einer „Schlafstadt“ für Düsseldorf, Leverkusen und Köln entwickelt (Stichwort Neue Heimat). Eine Industrie war nicht vorhanden. Bayer und Henkel (heute BASF) siedelten die Geschäftsführungen von Teilkonzerne in Monheim an. Die daraus sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen ermöglichten Monheim schuldenfrei zu werden und unter anderem kostenfreien innerstädtischen Busverkehr anzubieten. Monheim und Elmshorn sind so nicht vergleichbar.

    Antworten
    • Sven Herrmann

      Moin, vielen Dank für die Rückmeldung. Sicherlich sind Elmshorn und Monheim nicht unmittelbar vergleichbar. Es geht uns um die Grundintention, die sich zunehmend in anderen Städten durchsetzt – vor allem vor dem Hintergrund, dass es wichtig ist andere Mobilitätsformen als den individuellen Autoverkehr zu stärken. Leider wird in Elmshorn zu häufig gesagt, erst das Auto und dann die Anderen. Dabei ist es längst Zeit anders zu denken.

      Antworten

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