Teilhabe beginnt in den Köpfen

Ein Tag mit Katrin Langensiepen in Elmshorn

Am 2. April hatten wir mit Katrin Langensiepen eine starke Politikerin in Elmshorn zu Gast. Sie kandidiert als einzige deutsche Politikerin mit einer sichtbaren Behinderung auf einem aussichtsreichen Listenplatz für einen Sitz im Europaparlament bei der anstehenden Wahl. In der Diskussion am Abend zeigt sich, dass sie dabei, mit Ausnahme einiger Abgeordneter aus anderen Ländern, eine Alleinkämpferin in Deutschland ist.

Besuch der Raboisenschule

Nach Ankunft in Elmshorn besuchte Katrin gemeinsam mit unserer Vorstandssprecherin Kirstin Schiebuhr und unserer Kreisvorsitzenden Nadine Mai die Raboisenschule in Elmshorn.

Dabei haben Schülervertrerinnen und Schülervertreter ihr die Schule gezeigt und über ihren Alltag in der Schule berichtet. Ein Thema hat dabei sehr viele beschäftigt: Was passiert eigentlich nach der Schulzeit? Eine Frage, die sich viele Schülerinnen und Schüler am Ende der Schulzeit stellen. Dazu gibt es bereits Angebote der Agentur für Arbeit. Dennoch ist auch ein Umdenken bei Arbeitgebern erforderlich – und das beginnt im Kopf, denn auch die Unternehmen müssen sich stärker öffnen und Teilhabe ermöglichen.

(Anmerkung: Bei der nachträglichen Recherche sind wir auf die folgende Seite gestoßen- auf der es einen guten Überblick zu Wegen in den Beruf gibt: https://www.rehadat-bildung.de/de/berufe-und-co/Behinderung-und-Beruf/index.html ).

Podimsdiskussion am Abend

In der Diskussion am Abend zeigte sich beim Thema Beruf, dass jemand mit einem Handycap es ungleich schwerer hat, den Arbeitsplatz zu wechseln und dadurch auch in eine stärkere Abhängigkeit gerät. Ein Berufswechsel, wenn es nicht so gut läuft ist nur schwer zu realisieren. Die Abhängikeit kann in Einzelfällen auch zu Ausbeutung oder sexuellen Übergriffen führen. Hier ist erforderlich die Rechte der Betroffenen zu stärken und sie bei Vorfällen zu unterstützen, bzw. Arbeitgeber auch stärker zu kontrollieren.

In der Diskussion am Abend ging es dann um Europa. Viele Gesetzt, die Menschen mit Behinderungen zu Gute kommen, werden auf nationaler Ebene getroffen. Die Bekämpfung von Diskriminierung in Europa, die Chancengleichheit für alle, möchte Katrin Langensiepen diese gilt es weiter zu erkämpfen und zu stärken. Was auf europäischer Ebene oder mit den UN-Behindertenrechtskonventionen festgeschrieben steht, ist auf Bundesebene noch immer nicht selbstverständlich und
wird in Teilen boykottiert.

Um Barrieren in Köpfen abzubauen, können Menschen auf europäischer Ebene durch Förderprogramme, z. B. durch Austauschprogramme, mehr zusammengebracht werden. Dafür können beispielsweise die erfolgreichen Erasumusprogramme weiter ausgebaut werden. Barrieren werden sich nur zunehmend durch stärkere Inklusion im Alltag abbauen. Dies bestätigte Leonie Baers von den Jungen Grünen aus Pinneberg auf der Diskussion. In der Jugendsprache wird mittlerweile mit bestimmten Ausdrücken umsichtiger umgegangen.

Neben den Gesprächen zur EU, kommt man sehr schnell auch zu den kommunalen Themen. Barrierefreiheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie kann aber nicht durch Regeln erwirkt werden – vielmehr müssten die Entscheider der städteplanerischen Gestaltung auch den Mut aufbringen anders zu denken. Dabei sind aber auch die vielen verschiedenen Formen von Behinderungen zu berücksichtigen. Dazu erklärte der Behindertenbeauftragte des Kreises Pinneberg, Axel Vogt, dass beispielsweise Maßnahmen für Gehörlose durchaus konträr zu Maßnahmen für Menschen mit Sehstörungen sein können. Es sollte also immer genau überlegt werden, welche Maßnahmen bei der Planung von Straßen, Plätzen oder Gebäuden gemeinsam Nutzen entfalten können.

Einig waren alle Teilnehmer, dass Inklusion ein langer Prozess ist – vieles was heute zur Teilhabe zu erkämpfen ist, wird in Zukunft Normalität werden. Erfolge werden sich nur Schrittweise einstellen – aber dafür ist es heute sehr entscheidend, dass die eingeschlagenen Pfade mit größerer Konsequenz fortgeführt werden und dadurch ein Umdenken in den Köpfen aller stattfindet.

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